Wenn der Klassenraum zum Filmset wird

Ohrdruf: Wenn der Klassenraum zum Filmset wird

Grundschüler aus Ohrdruf drehen einen Märchenfilm. Landesmedienanstalt bietet Projekt an

22. November 2018 / 02:30 Uhr

Beschreibung: Szenen aus insgesamt vier Märchen nimmt die Klasse 2b für den Film auf. Foto: Franziska GräfenhanSzenen aus insgesamt vier Märchen nimmt die Klasse 2b für den Film auf. Foto: Franziska Gräfenhan

Ohrdruf. Schauspieler, Regisseure und Tontechniker verwandelten gestern den Klassenraum der 2 b der „Carl Eduard Meinung“ Grundschule Ohrdruf in ein echtes Filmset. Zusammen mit Gerd Flammiger und Sandra Fitz von der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) drehten die 27 Schüler ihren ersten eigenen Märchenfilm. Jedes Kind stand dabei nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera.

„Wir nehmen einzelne Schlüsselszenen aus ‚Rumpelstilzchen‘, ‚Dornröschen‘, ‚Frau Holle‘ und ‚Der Wolf und die sieben Geißlein‘ und übertragen sie in den Schulalltag“, beschrieb Klassenlehrerin Isabell Beyer das insgesamt viertägige Projekt. Bei einer Fortbildung war die 33-Jährige auf das Angebot der TLM aufmerksam geworden und hatte sich im Frühjahr dafür beworben. Das Thema Märchen passte nicht nur gut zum Lehrplan der zweiten Klassenstufe, sondern auch perfekt in die Vorweihnachtszeit, meinte Beyer.

  • Beschreibung: Üben sich als Kamera-Assistenten: Alexis Rafijew (von links), Amy Möller und Lara Althaus. Foto: Franziska GräfenhanÜben sich als Kamera-Assistenten: Alexis Rafijew (von links), Amy Möller und Lara Althaus. Foto: Franziska Gräfenhan

Viele Vorbereitungen, etwa das Basteln von Kulissen oder das Nähen von Kostümen, seien dabei nicht notwendig gewesen. Zusammen mit ihren Schülern und den beiden TLM-Mitarbeitern werkelte die Klassenlehrerin seit Anfang dieser Woche täglich von 8 bis 13 Uhr an dem Konzept für den Film.

„Am ersten Tag sind wir mit den Kindern viele Informationen zu Märchen generell durchgegangen und haben sie dann nach ihren Lieblingsmärchen gefragt“, sagte Medienpädagogin Sandra Fitz.

Am zweiten Projekttag wurden die vier ausgewählten Geschichten ins Heute übertragen. „Es war anfangs etwas schwierig von den fiktiven Figuren, zum Beispiel dem bösen Wolf, wegzukommen“, fügte die Klassenlehrerin an. Letztlich sei es jedoch gelungen, die Szenen zu erarbeiten, die am Mittwoch schließlich zum ersten Mal vor der Kamera aufgeführt wurden.

Mit den Drehs ging es bereits kurz nach der ersten Stunde los. Den Einstieg bildete Rumpelstilzchen: Ein neuer Schüler stellt sich bockig an und will partout seinen Namen nicht verraten. Während die zwei kleinen Schauspieler und die Statisten ihre Position einnahmen, mussten auch die Kinder an der Technik ihr Können zeigen. Lotte Ostermann führte Regie, während Amy Möller und Lara Althaus für den Ton zuständig waren. Dann schlug Alexis Refijew die Klappe und es hieß: „Film ab!“

Die Klasse sei von den Projekttagen mehr als begeistert gewesen, schilderte Lehrerin Beyer. Die Schüler bestätigten ihren Eindruck. „Das mit den Kopfhörern macht mir besonders großen Spaß“, sagte zum Beispiel die kleine Madleen Heinrich, die lieber hinter der Technik blieb. Jedoch war jeder Schüler im Laufe des Drehs einmal vor der Kamera zu sehen.

„Ziel ist nicht nur der zehnminütige Kurzfilm. Die Kinder sollen alle auch die Chance haben, die Abläufe dahinter kennenzulernen“, erklärte die Medienpädagogin Fitz. Das Projekt solle den Schülern eine aktive Nutzung von Medien vermitteln, die zuhause oft nur passiv Medieninhalte konsumierten.

Klassenlehrerin Isabell Beyer sah noch mehr Vorteile in dem Filmdreh: „Sie lernen die Technik kennen, sind kreativ und gestalten alles selbst, brauchen aber auch viel Geduld bei der Umsetzung und müssen natürlich immer im Team zusammenarbeiten.“ Zudem können die kleinen Stars mit dem fertigen Film ihre Eltern überraschen.

Franziska Gräfenhan / 22.11.18

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